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Pablo Escobar
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Pablo Emilio Escobar Gaviria (auch âEl Doctorâ, âEl PatrĂłnâ oder âDon Pabloâ genannt, * 1. Dezember 1949 in Rionegro; â 2. Dezember 1993 in MedellĂn) war ein kolumbianischer Drogenbaron, Drogenschmuggler und Terrorist. Durch groĂ angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenhandel wurde er als Oberhaupt des sogenannten MedellĂn-Kartells zu einem der reichsten Menschen der Welt. Er wird als einer der bisher mĂ€chtigsten und brutalsten Drogenbarone angesehen.
Auch sein Bruder Roberto âEl Ositoâ Escobar Gaviria und sein Cousin Gustavo âEl LeĂłnâ Gaviria Rivero waren Teil seines Imperiums.
Contents
âą Hintergrund
âą Leben
âą Jugend
âą Drogenhandel
âą Virginia Vallejo
âą Rezeption
âą Politisch
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Hintergrund
Eine AtmosphĂ€re der Gewalt prĂ€gte die Jugend Pablo Escobars und begrĂŒndete seine Skrupellosigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele.cite-ref-1[1] Sie entsprang den ungleichen VermögensverhĂ€ltnissen Kolumbiens: Eine reiche Machtelite aus wenigen Familien besaĂ 97 Prozent der LĂ€ndereien und Rohstoffe â darunter Bergwerke, Erdölquellen sowie Kaffee- und Bananenplantagen. Wegen dieser Ungleichverteilung war ein GroĂteil der Bevölkerung arm.cite-ref-2[2]
1948 wurde der liberale PrĂ€sidentschaftskandidat und Reformer Jorge EliĂ©cer GaitĂĄn erschossen.cite-ref-3[3] Dies fĂŒhrte zum Volksaufstand El Bogotazo, der vor allem in lĂ€ndlichen Zonen vehement fortgesetzt wurde â bedingt zum einen durch religiösen Eifer, zum anderen durch Macht- und LandansprĂŒche. Dies mĂŒndete in die Violencia, einen grausamen BĂŒrgerkrieg zwischen AnhĂ€ngern von liberaler und konservativer Partei.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]
Leben
Jugend
Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde in der Stadt Rionegro im Departamento de Antioquia als drittes von siebencite-ref-6[6] Kindern des ViehzĂŒchters Abel de JesĂșs Escobar und der Lehrerin Hermilda Gaviria geboren.cite-ref-7[7] Er entstammte dem lĂ€ndlichen Mittelstand, seine Familie besaĂ MilchkĂŒhe und 12 Hektar Land. Die relativ wohlhabenden Rinderfarmen von Frontino und Rionegro waren stets SchauplĂ€tze gewalttĂ€tiger Auseinandersetzungen zwischen liberalen Heereseinheiten und Guerilleros aus den Bergen.cite-ref-8[8]
Die Familie zog nach Envigado, dort grĂŒndete Hermilda eine Volksschule. Pablo Escobar schloss sich in Envigado einer nihilistischen Jugendbewegung, dem NadaĂsmo,cite-ref-9[9] an und begann mit 13 Jahren Marihuana zu rauchen. Seine Schule Liceo Lucrecio Jaramillo verlieĂ er 1966 aus Protest vorzeitig. Escobar konsumierte groĂe Mengen an Softdrinks, Pizza und Fastfood, was zu seinem Ăbergewicht fĂŒhrte.cite-ref-10[10]
Zusammen mit seinem Cousin Gustavo âEl LeĂłnâ Gaviria verbrachte er seine Jugend auf den StraĂen und in den Bars des MedellĂner Rotlichtbezirks JesĂșs el Nazareno. Im Barrio Antioquia von MedellĂn machte er Bekanntschaft mit lokalen UnterweltgröĂen, die fĂŒr seine weitere Laufbahn wichtig waren. Der Besitz von Schusswaffen brachte ihm schnell den Respekt der anderen Banden ein, die damals meist nur mit Messern und Macheten bewaffnet waren. FrĂŒh schloss er sich einer Marihuana-Schmugglerbande an und beteiligte sich an RaubĂŒberfĂ€llen auf der StraĂe. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit geschmuggelten Marlboro-Zigaretten. Nach Aussagen seiner Mutter war er fĂŒr eine ehrliche TĂ€tigkeit ungeeignet, denn er wollte sich schon frĂŒh groĂe Macht aneignen.
Mit 20 Jahren begann er Autos zu stehlen, um sie zerlegt als Hehlerware zu verkaufen. Kurze Zeit spĂ€ter entfĂŒhrte er mit seiner Bande reiche BĂŒrger und ermordete sie oft auch trotz Lösegeldzahlung, um seine Macht zu demonstrieren.
Mitte der 1970er-Jahre wurde der Marimba-Marihuanahandel durch die Modedroge Kokain abgelöst.cite-ref-13[13] Pioniere in diesem neuen Boom-GeschĂ€ft waren Escobar, die Ochoa-BrĂŒder, Carlos Lehder und JosĂ© Rodriguez Gacha.cite-ref-autogenerated1-11-1[11] Der intelligente und geschĂ€ftstĂŒchtige Escobar erkannte als einer der ersten das enorme wirtschaftliche Potential des Kokainhandels und begann damit, neuartige Vertriebsstrukturen aufzubauen, damit diese Ware die Endabnehmer in den Vereinigten Staaten erreichen konnte.
Escobar nutzte die ungeahnten Verdienstmöglichkeiten fĂŒr seinen gesellschaftlichen Aufstieg. In den 1970er-Jahren baute er ein riesiges Drogenimperium auf. WĂ€hrend seiner besten Jahre soll er bis zu 1,5 Millionen US-Dollar am Tag verdient haben. Er war als âderâ Drogenbaron Kolumbiens bekannt.
Drogenhandel
Escobars Persönlichkeit und Verhalten zeichneten sich durch Grausamkeit und Skrupellosigkeit aus, die ihn schnell an die Spitze des MedellĂn-Kartells brachten.
Obwohl Escobar einmal im Besitz von elfeinhalb Kilogramm Kokain festgenommen wurde, gab es nie einen Prozess wegen Drogenbesitzes oder Drogenhandels gegen ihn, da der ihn belastende Polizist unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden ums Leben kam. Durch Morddrohungen wurden auch die Richter eingeschĂŒchtert, die den Mordprozess daher nicht noch einmal aufrollten.
1975 lernte Escobar einen wohlhabenden Piloten mit dem Decknamen Rubin aus MedellĂn kennen, der flieĂend Englisch sprach,cite-ref-14[14] Miami gut kannte und bereits fĂŒr die Ochoa-BrĂŒder (Alonso, Jorge und Fabio) arbeitete.cite-ref-15[15] Rubin kaufte in Miami Sportflugzeuge und warb weitere Piloten an. Der erste Kokainschmuggler aus MedellĂn war Fabio Restrepo, mit dem Rubin 1975 ein bis zwei Lieferungen Kokain (40â60 kg) nach Miami ausflog und einen Gewinn von etwa 40.000 USD erwirtschaftete.cite-ref-16[16] Escobar erhielt von Jorge Ochoa die Erlaubnis, unverschnittenes Kokain an Restrepo zu verkaufen. Er lieĂ Restrepo ermorden und Rubin sowie die Ochoa-BrĂŒder wussten, dass sie fortan fĂŒr ihn arbeiten mussten.cite-ref-17[17]
1976 heiratete Escobar die 15-jĂ€hrige MarĂa Victoria Henao Vellejo.cite-ref-18[18] Mit ihr bekam er die Kinder Juan Pablo und Manuela. Die Ehe wurde nach eigener Aussage als sehr glĂŒcklich eingeschĂ€tzt, obwohl Escobar seine Frau mit unzĂ€hligen jungen Frauen betrog. Als eine dieser Frauen schwanger wurde, wurde sie von Escobars Auftragsmördern getötet.
Jhon Jairo Velåsquez, genannt Popeye, war engster Vertrauter und Escobars wichtigster Mörder, er tötete auf seinen Befehl etwa 300 Menschen.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20] Insgesamt lieà Escobar 30 Richter sowie 457 Polizisten ermorden.
1976 lieĂ das Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) seinen Cousin Gustavo Gaviria verhaften, nachdem er in Miami Kokain abtransportiert hatte. Escobar wurde verhaftet und musste in ItagĂŒĂ eine GefĂ€ngnisstrafe absitzen, wurde aber durch Bestechung kurz danach wieder freigelassen. Die DAS-Beamten, die ihn verhaftet hatten, wurden ermordet.cite-ref-21[21] Er etablierte damit das kolumbianische âplata o plomoâ-Prinzip (wörtlich âSilber oder Bleiâ): Entweder lĂ€sst man sich bestechen, oder es fliegen Bleikugeln (fĂŒr oder gegen ihn).cite-ref-autogenerated3-22-0[22]
Escobar kontrollierte als GeschĂ€ftsmodell den Transport des von unabhĂ€ngigen Pflanzern gewonnenen Kokains. Die Erzeuger zahlten dafĂŒr eine Provision von 10 Prozent auf den GroĂhandelspreis in Miami. Bei Verlust einer Lieferung zahlte Escobar den Lieferanten Ersatz auf den Erzeugerkosten. Die Gewinne lagen bei weitem ĂŒber den Verlusten der abgefangenen Lieferungen. Escobar erkaufte sich Schutz von den Pflanzern ĂŒber die Verarbeiter bis zu den Distributeuren. Die Transporte wurden hauptsĂ€chlich mit Staffeln von Sportflugzeugen (etwa eine Tonne Fracht) abgewickelt, aber auch mit ferngesteuerten Mini-U-Booten, die bis zwei Tonnen Kokain von der NordkĂŒste Kolumbiens bis nach Puerto Rico transportierten. In der Endphase lieĂ er 10 Tonnen Kokain in einer umgebauten Boeing 727 in die USA exportieren.
Gacha und Lehder arbeiteten in der Anfangsphase teils fĂŒr Escobar, teils gegen ihn. 1975 wurde eine Kokainlieferung von 600 Kilogramm in einem Flugzeug in Cali abgefangen; diese MaĂnahme löste die Ermordung von 40 Personen an einem Wochenende aus, da sich die Organisationen gegenseitig vorwarfen, das GeschĂ€ft gestört zu haben. Der unermessliche Reichtum durch das KokaingeschĂ€ft fĂŒhrte zu einer neuen Gesellschaftsschicht in Kolumbien, die diesen durch Villen, Diskotheken etc. zur Schau trug.
Escobars Schwager Mario Henao, ein linksorientierter Intellektueller, gab Escobar die patriotische Rechtfertigung fĂŒr seinen Drogenhandel,cite-ref-23[23] um ein neues, modernes und fortschrittliches Kolumbien aufzubauen.cite-ref-24[24] In MedellĂn gab Escobar die Zeitung MedellĂn CĂvico heraus, die sich mit der Glorifizierung seiner Person befasste.cite-ref-25[25] Ihm zur Ehre wurde das Viertel Pablo Escobar fĂŒr Wohnungslose erbaut. Escobar stellte sich als groĂzĂŒgiger Arbeitgeber in MedellĂn dar und zahlte dem Personal in den Drogenlabors hohe GehĂ€lter. 1978 wurde Escobar als Abgeordneter in den Stadtrat von MedellĂn gewĂ€hlt, die politische ImmunitĂ€t schĂŒtzte ihn vor weiterer Strafverfolgung. Der Diplomatenstatus wurde fĂŒr Reisen seiner Familie nach Miami genutzt.
In Miami erwarb die Familie ebenfalls Luxusvillen und eine 8-Millionen-Dollar-Ranch bei Plantation im Broward County. Die kolumbianischen Narco-MillionĂ€re und -MilliardĂ€re setzten die Tradition der Wohlhabenden fort, die ihre ReichtĂŒmer damals der Sklavenarbeit, dem Tabak- und Chinin-Schmuggel, der Landbeschlagnahmung wĂ€hrend der BĂŒrgerkriege, dem Gold- und Smaragdschmuggel verdankten.
1981 stellte Escobar nach der EntfĂŒhrung von Marta Ochoa eine private MAS-Miliz âMuerte a los Secuestradoresâ auf.cite-ref-26[26] Die GrĂŒndung der MAS-Miliz wurde von 223 DrogenhĂ€ndlern unterzeichnet und durch das Abwerfen von FlugblĂ€ttern ĂŒber einem FuĂballstadion bekanntgegeben. Der Zusammenschluss der MAS wird auch als GrĂŒndungsdatum des MedellĂn-Kartells gesehen.
1982 lieĂ sich Escobar als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongress wĂ€hlen. Er war Mitglied der sozialdemokratisch-liberalen Partei, befand sich auf dem Gipfel seiner PopularitĂ€t und wurde âpaisa Robin Hoodâcite-ref-27[27] genannt.cite-ref-28[28] Da er aber öffentlich beschuldigt wurde, mit Drogen zu handeln, war er gezwungen, sein Mandat niederzulegen. Aufgrund seiner Finanzmacht und seiner Verbindungen konnte er sich weiterhin groĂen Einfluss auf Politik und bestochene Politiker sichern.
1983 und Anfang 1984 war er der erfolgreichste KokainhĂ€ndler der Welt, er hatte 80 Prozent des Kokainmarktes in Kolumbien unter seiner Kontrolle. Seinen gröĂten Gewinn erzielte er mit dem Kokainschmuggel in die USA, wo Kokain etwa dreimal teurer verkauft werden konnte als in Kolumbien. Ein Kilogramm Kokain hatte jenseits der Grenze statt seines ursprĂŒnglichen Wertes von 9.000 Dollar nun einen von 30.000 Dollar. Da sein Reinheitsgrad von ursprĂŒnglich 90 Prozent in den USA auf 30 Prozent gestreckt wurde, stieg der Wert auf ĂŒber 90.000 Dollar.
1983 bot Manuel Noriega dem MedellĂn-Kartell in Panama Exil und groĂzĂŒgige Anlagemöglichkeiten fĂŒr das Drogengeld.cite-ref-29[29]
Im Jahr darauf eskalierte die Auseinandersetzung mit den Strafverfolgungsbehörden in Kolumbien: Escobars Haupt-Drogenlabore Tranquilandia und Vila Coca wurden durch Beamte des kolumbianischen Justizministeriums mit UnterstĂŒtzung der US-amerikanischen Drogenfahndung DEA zerstört und daraufhin der kolumbianische Justizminister Rodrigo Lara Bonillas am 30. April 1984 auf Veranlassung von Escobar ermordet.cite-ref-30[30] Escobar, Lehder, Gacha und die Ochoa-BrĂŒder flohen in der Folge nach Panama. Bei der Vernichtung von Tranquilandia und Vila Coca wurden 14 Tonnen reines Kokain beschlagnahmt, das bedeutete eine schwere EinbuĂe fĂŒr das MedellĂn-Kartell. Die US-Luftwaffe versprĂŒhte Herbizide auf Kokainpflanzungen in den RegenwĂ€ldern Kolumbiens.cite-ref-31[31]
Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: Lieber ein Grab in Kolumbien als eine GefÀngniszelle in den Vereinigten Staaten.
1985 begannen Gacha und Escobar mit der SĂ€uberung des mittleren Magdalenatals von der FARC-Guerilla. Den Operationen, die durch britische und israelische Söldner unterstĂŒtzt wurden, fielen tausende von Bauern und Feldarbeitern zum Opfer. ParamilitĂ€rische VerbĂ€nde des MedellĂn-Kartells und Heereseinheiten fĂŒgten der FARC, ELN und M-19 im Magdalenatal schwere Verluste zu. Im gleichen Jahr stĂŒrmte die linksgerichtete Untergrundorganisation M-19 (Movimiento 19 de Abril) den Justizpalast von BogotĂĄ, Escobars Beteiligung blieb unklar.cite-ref-32[32]
1986 starb der US-Basketballstar Len Bias nach einer KokainĂŒberdosis, das öffentliche Bewusstsein wendete sich gegen die Partydroge, und sie wurde geĂ€chtet.cite-ref-33[33] Escobar â zuvor als Inbegriff des Zeitgeistes wahrgenommen â wurde von der Weltöffentlichkeit zum Schwerkriminellen erklĂ€rt.
1988 wurde George Bush PrÀsident der Vereinigten Staaten und investierte einen Milliarden-Etat in den Kampf gegen den kolumbianischen Drogenhandel.cite-ref-34[34]
1989 war Escobar laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes.cite-ref-35[35]
Am 27. November 1989 stĂŒrzte Avianca-Flug 203 infolge einer Bombenexplosion ab; die Verantwortung fĂŒr diesen Anschlag wird Escobar zugeschrieben. Sein Ziel war wahrscheinlich die Ermordung von mehreren Informanten, die gegen das MedellĂn-Kartell aussagen wollten und unter Personenschutz der kolumbianischen Polizei standen. Die MĂ€nner kamen beim Absturz ums Leben.cite-ref-gero2-36-0[36]cite-ref-nyt-37-0[37] Daneben gibt es die These, dass Pablo Escobar ein Attentat auf den PrĂ€sidentschaftskandidaten CĂ©sar Gaviria verĂŒben wollte. Dieser befand sich aber nicht an Bord.cite-ref-38[38]
Escobar war auch sozial engagiert: Er finanzierte KrankenhĂ€user, Sozialwohnungen und Schulen und genoss daher unter dem Ă€rmsten Teil der Bevölkerung seiner Heimatstadt MedellĂn zum Teil sogar einen guten Ruf. Das FuĂballstadion seines Heimatvereins in Envigado wurde mit seinen Geldern erbaut. Escobar grĂŒndete in MedellĂn BĂŒro- und Apartmentkomplexe, Diskotheken und zahlreiche Restaurants, noch heute sind seine Spuren sichtbar.cite-ref-39[39]
Am 4. April 2018 leiteten BĂŒrgermeister Federico Gutierrez, Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas und Justizminister Enrique Gil mit ersten HammerschlĂ€gen den Abriss des Edificio MĂłnaco ein, eines der AppartementhĂ€user von Escobar in MedellĂn. Am 22. Februar 2019 wurde der Wohnblock unter groĂer Anteilnahme der Bevölkerung komplett gesprengt.cite-ref-40[40] Ein Park als Gedenken an die Todesopfer des Drogenhandels soll an gleicher Stelle errichtet werden.cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]
Virginia Vallejo
Virginia Vallejo, TV-Journalistin und Moderatorin, war von 1983 bis 1987 Escobars Geliebte. Sie veröffentlichte 2007 das Buch Amando a Pablo, odiando a Escobar (deutsch: Pablo lieben, Escobar hassen),cite-ref-43[43] in dem sie ihn mit Politikern wie Alberto Santofimiocite-ref-44[44]cite-ref-45[45] und PrĂ€sidenten Alfonso LĂłpez Michelsen,cite-ref-46[46] Ernesto Samper und Ălvaro Uribe VĂ©lezcite-ref-47[47] in Verbindung bringt und einen Politskandal in Kolumbien auslöste.
Verfolgung und Tod
Im Widerstand gegen ein von der kolumbianischen Regierung beabsichtigtes Gesetz zur Auslieferung von DrogenhĂ€ndlern an die USA fĂŒhrte Escobar an der Spitze der Los Extraditables (âDie Auslieferbarenâ) einen regelrechten Krieg gegen den Staat. Er lieĂ Hunderte von Polizisten, Richtern und StaatsanwĂ€lten ermorden und ĂŒberzog die Hauptstadt BogotĂĄ mit Bombenterror. Ein besonders spektakulĂ€res Bombenattentat legte am 2. September 1989 den Sitz der Tageszeitung El Espectador in BogotĂĄ in TrĂŒmmer. Zahlreiche EntfĂŒhrungen von Angehörigen des öffentlichen Lebens in Kolumbien, hĂ€ufig mit tödlichem Ausgang, gingen auf Escobars Konto. FĂŒr seinen eigenen Schutz engagierte er LeibwĂ€chter und unterhielt eine groĂe Zahl von Sicarios (Auftragsmörder). Die insbesondere entscheidende Feindschaft der kolumbianischen Polizei erwarb sich Escobar durch ein Kopfgeld von 500 bis 1000 Dollar, das er fĂŒr jeden getöteten Polizisten in MedellĂn aussetzte.
Die Verfolgung Escobars durch den Staat Kolumbien wurde weiter intensiviert, nachdem 1989 der PrĂ€sidentschaftskandidat der liberalen Partei, Luis Carlos GalĂĄn, der fĂŒr den Fall seiner Wahl eine verstĂ€rkte Offensive gegen die Drogenmafia angekĂŒndigt hatte, wĂ€hrend einer Wahlveranstaltung in Soacha, einem Vorort von BogotĂĄ, ermordet worden war.
Nach Friedensverhandlungen erklÀrte Escobar 1991 einen Waffenstillstand und stellte sich der Polizei, nachdem ihm zugesichert worden war, nicht an die USA ausgeliefert zu werden. Mit seiner Leibwache kam er, wie bei den Verhandlungen ausgemacht, in das von ihm selbst errichtete luxuriöse GefÀngnis La Catedral in der NÀhe seines Heimatortes Envigado. Nach mehreren Skandalen (unter anderem lieà Escobar DrogenhÀndler ins GefÀngnis kommen und dort ermorden) wollte ihn die Regierung in ein anderes GefÀngnis verlegen, woraufhin er die Flucht ergriff.
Jedoch wandten sich nun auch Teile der Unterwelt gegen ihn: Das Cali-Kartell finanzierte zusammen mit Angehörigen von Escobars Mordopfern mit den Los Pepes eine Todesschwadron, die auch von den rechtsgerichteten Autodefensas-Unidas-de-Colombia-Milizen unterstĂŒtzt wurden. Diese fĂŒhrte, teilweise wohl auch staatlicherseits unterstĂŒtzt, einen Privatkrieg gegen Escobar, töteten dessen Sicarios und zerstörten Laboratorien. Dadurch fehlte Escobar zunehmend das Geld, um seine MĂ€nner zu bezahlen und eine Bedrohung darzustellen. AuĂerdem konnte so das Cali-Kartell Escobars Platz als Drogenlieferant in die USA ĂŒbernehmen: TatsĂ€chlich stieg der Drogenexport in den letzten Monaten Escobars an, obwohl dieser aus dem GeschĂ€ft gedrĂ€ngt wurde.
Escobar starb, als eine US-amerikanisch-kolumbianische Elite-Einheit ihn 16 Monate spĂ€ter bei einer Razzia in MedellĂn erschoss: Er hatte in seinem Versteck mit seinem Sohn telefoniert, wobei die Ermittler den Anruf zurĂŒckverfolgen konnten. Eine alternative Version gab sein Sohn: Sein Vater habe sich selbst getötet, nachdem er sich durch mehrere Anrufe absichtlich habe finden lassen. So habe er das Leben seiner Familienmitglieder schĂŒtzen wollen.cite-ref-48[48] An Escobars Beerdigung nahmen ĂŒber 20.000 Menschen teil.
Hacienda NĂĄpoles
1979 kaufte Escobar fĂŒr 63 Millionen USDcite-ref-autogenerated3-22-1[22] eine 3.000 Hektar groĂe Ranch bei Puerto Triunfo am RĂo Magdalena und baute sie in einen luxuriösen Landsitz aus.cite-ref-49[49] Der Landsitz umfasste einen Flugplatz, einen Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools, ein gynĂ€kologisches Untersuchungszimmer, einen Zoo, kĂŒnstliche Seen fĂŒr Wasserski und ein komplettes StraĂennetz. Die Hacienda NĂĄpoles hatte komfortable Schlafgelegenheiten fĂŒr ĂŒber 100 Personen. Der Eingang war mit dem Sportflugzeug geschmĂŒckt, mit dem Escobar seine ersten Kokaintransporte nach MedellĂn abgewickelt hatte.
FĂŒr die Unterhaltung seiner Freunde lieĂ er kolumbianische Schönheitsköniginnencite-ref-50[50] Striptease vorfĂŒhren, bei Wettspielen konnten sie teure Sportwagen gewinnen, mussten sich aber auch DemĂŒtigungen wie einer kompletten Haarrasur, Insekten schlucken oder nackt um die Wette auf BĂ€ume klettern aussetzen.cite-ref-51[51]
Auf der Hacienda fanden auch zahlreiche Hinrichtungen statt. Ein Arbeiter, der Escobar bestohlen hatte, wurde an HĂ€nden und FĂŒĂen gefesselt und zur Unterhaltung der GĂ€ste in einem Swimmingpool ertrĂ€nkt.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53] Der Architekt, dem ein Baufehler und der Einsturz des ersten Stocks in der Villa vorgeworfen worden war, wurde erschossen.
FĂŒr seinen Zoo auf der Hacienda lieĂ Escobar Tiger, Giraffen, Elefanten, BĂŒffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und StrauĂe einfliegen. FĂŒr seinen Sohn Juan Pablo lieĂ er Dinosaurierfiguren errichten. Nach dem Tod Escobars wurden die meisten Tiere der Hacienda verlegt oder aus ihren KĂ€figen gestohlen. Andere verhungerten oder verendeten an Krankheiten.cite-ref-kologie-54-0[54]
Die vier von Escobar eingeschmuggelten Flusspferde wurden nach seinem Tod im tropischen Regenwald ausgesetzt und vermehren sich seitdem stark,cite-ref-55[55] bis 2022 war die Kolonie auf ĂŒber 100 Tiere angewachsen. Sie sind eine Gefahr fĂŒr die Bevölkerung; die Behörden warnen vor den freilaufenden Flusspferden. Auch einheimische Tierarten wie Otter und SeekĂŒhe sind gefĂ€hrdet.cite-ref-56[56] Nachdem ein Abschuss aufgrund des Drucks von TierschĂŒtzern verboten worden war, konnten aus Geldmangel zwischen 2011 und 2013 nur vier Bullen kastriert werden. Anfang 2018 wurde begonnen, ZooplĂ€tze fĂŒr die Tiere zu suchen.cite-ref-kologie-54-1[54]
Nachdem 2007 RĂ€uber nach legendĂ€ren ReichtĂŒmern in der Hacienda gesucht und sie geplĂŒndert hatten, wurde auf dem GrundstĂŒck der verfallenen Villa der Freizeitpark âParque TemĂĄtico Hacienda NĂĄpolesâ errichtet.cite-ref-57[57]
Rezeption
Politisch
Escobar verĂ€nderte und spaltete den kolumbianischen Staat und schadete nachhaltig dem weltweiten Ansehen des Landes, das als âNarco-Republikâ geschmĂ€ht wurde.
George Bush erklĂ€rte Escobar zum Staatsfeind Nummer eins.cite-ref-58[58] Die Gewaltkultur und die nach Escobars Tod arbeitslosen Sicarioscite-ref-59[59] verschĂ€rften die Sicherheitslage. Insbesondere in MedellĂn radikalisierten sich die Einwohner in den Elendsvierteln mit langen Auswirkungen. Aus vielen meist minderjĂ€hrigen Sicarios, die fĂŒr Escobar oder fĂŒr Gacha arbeiteten, wurden Mitglieder paramilitĂ€rischer KampfverbĂ€nde der AUC.cite-ref-60[60]cite-ref-61[61]
In MedellĂn wird Escobar vor allem in seinem Heimatort Envigado heute noch als Volksheld verehrt. Der FuĂballverein AtlĂ©tico Nacional in MedellĂn verdankt seinen Aufstieg der finanziellen Förderung durch Escobar.cite-ref-62[62]
Im April 2003 wurden in einigen Stadtteilen MedellĂns Wahlkampfplakate mit dem Konterfei von Pablo Escobar gesichtet, ĂŒber die nĂ€heren HintergrĂŒnde dieser Aktion ist nichts bekannt.cite-ref-63[63]
Filmisch, kĂŒnstlerisch und literarisch
Nach seinem Tod avancierte Pablo Escobar nach und nach zu einem bekannten Charakter der modernen PopulĂ€rkultur und gilt heute weltweit als Prototyp des skrupellosen sĂŒdamerikanischen Drogenbarons. In Romanen, Filmen, TV-Serien, Dokumentationen oder Computerspielen wird in vielfĂ€ltiger Weise auf ihn Bezug genommen.
âą Motive von Pablo Escobar werden vom kolumbianischen Maler Fernando Botero gemalt.
âą Tom Clancy benutzt Escobar in seinem Roman Der Schattenkrieg (âClear and Present Dangerâ) und dem darauf beruhenden Kinofilm Das Kartell (1994) fĂŒr seine Figur âErnesto Escobedoâ, gespielt von Miguel Sandoval.
âą Im Jahr darauf spielte Miguel Sandoval in der Krimimödie Schnappt Shorty den sĂŒdamerikanischen Drogenbaron âMr. Escobarâ, der nach Los Angeles kommt, um das Verschwinden seines Neffen aufzuklĂ€ren.
âą 1998 erschien der von Parco International Inc. produzierte Dokumentarfilm Drogenkönig Pablo Escobar (OT: Pablo Escobar: King of Cocaine) des Senders The Learning Channel ĂŒber das Leben Pablo Escobars.
⹠2001 wurde Escobar von Cliff Curtis im Film Blow als GeschÀftspartner der Hauptfigur George Jung dargestellt.
âą Der US-amerikanische Journalist Mark Bowden schildert die Jagd auf Escobar in seinem Sachbuch Killing Pablo (2001). FĂŒr den TV-Sender The History Channel wurde darauf aufbauend der Dokumentarfilm The True Story of Killing Pablo produziert (2002), welcher in Deutschland unter dem Titel Cocaine Bandits 3 veröffentlicht wurde.
âą In dem Videospiel Grand Theft Auto: Vice City gibt es einen Flughafen mit dem Namen âEscobar Int. Airportâ. Die fiktive Stadt Vice City ist in diesem Spiel in Anspielung auf Miami ein Drehkreuz des amerikanischen Kokainhandels.
âą In der HBO-Serie Entourage spielt der fiktive Darsteller Vincent Chase (Adrian Grenier) die Hauptrolle in âMedellĂnâ, einem fiktiven Film ĂŒber das Leben Pablo Escobars.
âą 2006 taucht Escobar im Dokumentarfilm Cocaine Cowboys auf und im selben Jahr erschien die dokumentarische Episode Das Ende des Pablo Escobar (OT: The King Of Cocaine) der Fernsehreihe Countdown des Schreckens.
âą Der Film Pablo of Medellin von Jorge Granier-Phelps stellt Escobar teilweise als Heiligen, teilweise als DĂ€mon dar.
âą Im Jahr 2009 erschien Die SĂŒnden meines Vaters (OT: Pecados de mi padre); ein Dokumentarfilm ĂŒber die Geschichte Pablo Escobars aus der Perspektive seines Sohnes SebastiĂĄn MarroquĂn.
âą Der Film Los Dos Escobar schildert das Leben von Pablo Escobar und dem FuĂballer AndrĂ©s Escobar, der nach einem Eigentor und dem frĂŒhen Ausscheiden der kolumbianischen Mannschaft bei der FuĂball-WM 1994 ermordet wurde. Der Film vertritt die These, dass der FuĂball-Fan Pablo Escobar den Mord niemals geduldet hĂ€tte.
âą Auf dem Album Enslaved der Thrash-Metal-Band Soulfly geht es in dem Song Plata O Plomo (Silber oder Blei) um Pablo Escobar.
âą In der Serie Escobar, El PatrĂłn Del Mal wird Escobar durch AndrĂ©s Parra und Mauricio MejĂa verkörpert.
âą Der Thriller Escobar: Paradise Lost (2014) handelt von einer Liebesgeschichte innerhalb des Escobar-Clans zwischen einer Nichte Escobars und einem aus Kanada eingewanderten Surflehrer. Benicio del Toro ĂŒbernimmt darin die Rolle des Pablo Escobar.
⹠Die ersten beiden Staffeln der im August 2015 angelaufenen Fernsehserie Narcos, produziert von Netflix, basieren auf dem Leben von Escobar, der von Wagner Moura verkörpert wird.
⹠Der Film The Infiltrator (2016), basierend auf Robert Mazurs Autobiografie, zeigt den Versuch, Pablo Escobars GeldwÀscheorganisation zu kippen.
âą In der ersten Episode der Serie El Chapo wurde Escobar erneut durch Mauricio MejĂa verkörpert.
âą Die erste Episode der Netflix-Dokureihe Drug Lords handelt von Pablo Escobar.
âą Die vierte Episode der History-Dokureihe Kingpin â Die gröĂten Verbrecherbosse aus dem Jahr 2018 handelt von Pablo Escobar.
âą In der fĂŒnften Episode der Serie Narcos: Mexico wurde Escobar erneut durch Wagner Moura verkörpert.
âą Der Film Loving Pablo von 2017 zeigt die Geschehnisse aus Sicht der Reporterin Virginia Vallejo.
âą Im Film Barry Seal: Only in America von 2017, der die Geschichte des Drogenschmugglers Barry Seal (dargestellt von Tom Cruise) zeigt, spielt Escobar (erneut von Mauricio MejĂa verkörpert) eine wichtige Nebenrolle.
âą In der Serie Monk gibt es eine Episode, in der ein Drogenbaron namens âMiguel Escobarâ vorkommt.
Antrag auf Markenname
Seine Erben beantragten die Eintragung von Pablo Escobar als EU-Markennamen. Ein Gericht untersagte dies im April 2024, da Menschen damit ĂŒberwiegend illegales DrogengeschĂ€ft verbinden wĂŒrden und nicht, wie von den Antragsstellern beansprucht, WohltĂ€tigkeit.cite-ref-64[64]
Siehe auch
Literatur
⹠Luis Cañón: Pablo Escobar: Leben und plötzlicher Tod des Kokainkönigs. Aufbau-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-351-02422-3.
âą Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8270-0164-1.
âą Gabriel GarcĂa MĂĄrquez: Nachricht von einer EntfĂŒhrung. (Originaltitel: Noticia de un secuestro, ĂŒbersetzt von Dagmar Ploetz), Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02566-X, dtv, MĂŒnchen 2001, ISBN 978-3-423-12897-1 (Ăber Details der Erpressung Escobars gegen den kolumbianischen Staat und die Geschichte der Los Extradictables).
âą James Mollison: Escobar: der Drogenbaron. Heyne, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-453-67576-6.
âą Roberto Escobar: The Accountantâs Story: Inside the Violent World of the MedellĂn Cartel. Grand Central Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-446-17892-1.
âą Roberto Escobar: Mi hermano Pablo. Escobar Inc, Colombia 2008, ISBN 978-958-06-1109-7.
Weblinks
Commons
: Pablo Escobar
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Virginia Vallejo, offizielle Website
âą Virginia Vallejo, Loving Pablo, Hating Escobar
âą Virginia Vallejo, Amando a Pablo, odiando a Escobar, Random House Mondadori, 2007
âą Literatur von und ĂŒber Pablo Escobar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Pablo Escobar bei Whoâs Who Germany, The People-Lexicon
⹠Klaus Ehringfeld: Der Schneekönig. In: einestages vom 2. Dezember 2013
âą Welt-Artikel ĂŒber Pablo Escobar
âą Pablo Escobar bei IMDb
âą Pablo Escobar â der Mann, der den Drogenhandel beherrschte In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 15. Dezember 2018 (Audio)
Einzelnachweise
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